Martin Luther

Vorläufer der Reformation (1): John Wyclif

John Wyclif

Liebe Sängerinnen und Sänger,

großen Köpfen und Ideen gehen oft andere große Köpfe und Ideen voraus. Den Namen Johannes Hus aus Böhmen kannte ich schon. Aber durch die Lektüre des Buches Die 95 wichtigsten Fragen: Reformation bin ich auf einen anderen, sehr interessanten Vorläufer der Reformation und der Person Martin Luthers gestoßen: John Wyclif. Dabei beziehe ich mich im Wesentlichen auf die Informationen aus dem besagten Buch.

John Wyclif (ca. 1328-1384)

Gut 150 Jahre vor Martin Luther wurde John Wyclif in Yorkshire geboren. Er wurde Professor für Theologie (wie später auch Martin Luther), darüber hinaus noch für Philosophie in Oxford.

Wyclif kritisierte die Kirche und argumentierte dabei mit der Bibel. Gegenstand seiner Kritik waren der verweltlichte Klerus, die politischen Herrschaftsansprüche des Papsttums und Aspekte des damaligen Frömmigkeitsstils wie Heiligenkult sowie Bilder- und Reliquienverehrung.

Was ist „verweltlichter Klerus“?

Klerus ist die Gesamtheit der Angehörigen des geistlichen Standes, also Prister, Bischöfe und Diakone, die die geistliche Weihe empfangen haben. Die geistliche Weihe geht dabei bis auf Berichte in der Apostelgeschichte zurück und wird so bis zum heutigen Tag in der Katholischen Kirche von Geistlichen an neue Geistliche weitergegeben. Diese Art von kirchlicher Adelung hat sich im Mittelalter der weltliche Adel zu Nutze gemacht und das Privileg etabliert, dass nur weltliche Adelige auch geistliche Adelige werden konnten. Quereinsteiger durften niedrigere Weihen empfangen und haben auch einen großen Teil der kirchlichen Arbeit getan, hatten dann aber auf der innerkirchlichen Karriereleiter keine guten Aufstiegschancen. Andererseits haben die adeligen Geistlichen oft einen opulenten und weltlichen Lebensstil gepflegt. Das wird mit „verweltlichem Klerus“ bezeichnet und damit auch zu Recht kritisiert.

Wirksamkeit von John Wyclif

John Wyclif initiierte eine Bibelübersetzungs ins Englische, die als Wyclif-Bibel bekannt geworden ist. Er sorgte für Unruhe, versammelte viele Anhänger um sich und seine Lehren waren Inspiration für einen Bauernaufstand. Anders als Luther aber konnte er die herrschenden Verhältnisse damit aber nicht umstürzen.

John Wyclif start eines natürlichen Todes. Seine Anhänger aber, die Lollarden, wurden brutal verfolgt, die Volksbibeln vertrannt und weitere Übersetzungen wurden verboten. In kleinen Kreisen lebte der Frömmigkeitsstil der Lollarden weiter bis zur Zeit der Reformation.

Unterschiede zu Martin Luther

John Wyclif lebte zu früh, der Buchdruck war noch nicht erfunden. Daher konnte seine Bibelübersetzung nicht so große Verbreitung finden. Außerdem hatte Wyclifs Bewegung keinen Rückhalt bei der weltlichen Macht der Fürsten und in den Städten. Und auch, wenn es so klingt, als wäre Wyclifs Wirken verpufft, so gibt es doch Auswirkungen über Umwege bis in die Reformation Martin Luthers.

Nachspann

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Der nächste Blogbeitrag, dann darüber, wie Wyclifs Ideen nach Böhmen kamen, und was sie dort bewirken konnten, erscheint am Samstag morgen.

Am Donnerstag, 29.9., 19.30-21.30 Uhr werden wir die nächste, aber vorerst auch letzte Probe für das Luther Oratorium in Niendorf haben. Ich hoffe, dass ihr danach trotz der kurzen Probenzeit neugierig und selbstbewusst zur Regionalprobe mit Dieter Falk fahrt und dort einen großartigen Nachmittag habt.

Bis dann, viele Grüße

Gudrun

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